Kultur und Geschichte
Entstehung der Inseln
Während der maximalen Abkühlung im dritten Stadium der Eiszeit vor 29 000 Jahren, wenn die Kontinente mit Riesenmengen Eis bedeckt waren, war der Meeresspiegel von allen Seen, also auch der von der Adriasee, um 96.5 m niedriger als heutezutage. Durch das Schmelzen von kontinentalen Eismengen im frühen Postglazial und später im Holozän /Alluvium/ und durch das Zuströmen von Wasser wurde der Meeresspiegel immer höher. Demzufolge drang das Meer in die Täler einstiger Bergketten ein. Auf diese Weise entstand neben anderen auch die Inselgruppe Cres-Lusinj. So viel darüber vom wissenschaftlichen Aspekt her.
Vielleicht ist der aus der Sage über die Argonauten, die Seefahrer des altgriechischen Schiffes Argo, enstandene dichterische Aspekt interessanter. Dieser Legende nach gehörten die Inseln Cres und Losinj einst der Inselgruppe Apsyrtides. So wurde sie nach Apsirt, dem Prinzen aus der Kolchis, einer kaukasischen Gegend am Schwarzen Meer, genannt. Dem mutigen Griechen Jason gelang es durch seine Schlauheit mit Hilfe der Königstochter und der Schwester Apsirts Medea, die sich in ihn sterblich verliebtere, dem König Eyet das goldene Vlies zu stehlen und mit dem Schiff Argo und seinen Argonauten die Flucht zu ergreifen. Apsirt holte ihn bei Osor ein. Als Medea ihren Bruder zu Verhandlungen gelockt hatte, brachte ihn Jason meuchlerisch um. Medea zerhaute die Leiche ihres Bruders und warf seine Körperglieder ins Meer. So enstanden aus Apsirts Körper Apsirtsinseln - die Apsyrtides.
Der Turm
Venedig baut Mitte des 15. Jh. zur Verteidigung von Veli Lošinj einen freistehenden runden Wehrturm mit Geschützen auf Steinkonsolen. Es handelt sich um einen verhältnismäßig niedrigen, typisch renaissancezeitlichen Rundturm mit dicken Wänden, um dem Kanonenfeuer standhalten zu können. Die oberen Mauerwerksteile ragen hervor, um die Angreifer besser unter Beschuss nehmen zu können. Die Mauerkrone wurde im Laufe der Zeit am meisten verändert, so dass uns das ursprüngliche Aussehen nicht überliefert ist.
Die Bürger von Lošinj organisierten auf eigene Faust die Seeverteidigung der Stadt, um ihr Vermögen sowohl gegen die türkischen Angriffe, als auch gegen die Angriffe der Uskoken, sowie gegen andere Feinde Venedigs beschützen zu können. Später, als sich die Umstände geändert hatten, verlor der Turm seine Bedeutung als Verteidigungsbollwerk und verfiel langsam. 1774 wurde er zwar renoviert, aber bald verschwand die Republik Venedig in den Napoleonischen Kriegen von der historischen Bildfläche und der neue Herr der Inseln in der Kvarner-Bucht - Österreich - brauchte den Turm von Veli Lošinj nicht. Erst 1911 erneuerte die Zentralkommission in Wien, wahrscheinlich auf Empfehlung des Erzherzogs Karl Stephan, die Mauern, aber nicht das Dach und die Holzzwischendecke, so dass sich der Verfall fortsetzte.
Das Amt für Denkmal- und Naturschutz, Regionalamt Rijeka, startete 1992 das Projekt der Revitalisierung des Turmes mit der Ausarbeitung der Projektunterlagen. Die Arbeiten am Objekt begannen 1997 und wurden von der Stadt Mali Lošinj und der italienischen Region Veneto finanziert. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden die Mauern repariert, während das Holzdach und die Holzzwischendeckenkonstruktion neu errichtet wurden. Während der archäologischen Ausgrabungen vor dem Turm im Jahre 1991 wurde die Fundamenttiefe festgestellt. Untersuchungen im Turminneren 1997 ergaben, dass der ganze Bau auf Felsgestein errichtet wurde. Im Turm wurde ein Museum, bzw. eine Galerie eingerichtet, wodurch der weitere Erhalt dieses wichtigen Baudenkmals gesichert ist, das im Jahre 2000 der Öffentlichkeit übergeben wurde.
Pfarrkirche des heiligen Antonius
Die imposante Pfarrkirche des heiligen Antonius beherrscht den Eingang zur engen Hafenbucht und erregt sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters.
Die Gemeindekirche des Hl. Antons (um 1480 erbaut), in der heutigen Barockstruktur seit 1774 mit zahlreichen Kunstwerken, einer Orgel von C. Vivarinis, der Madonna mit Kind und Heiligen, sowie den Reliquien des Heiligen Gregors, können hier in Augenschein genommen werden.
In der Kirche befinden sich Barockaltäre, eine Orgel des venezianischen Orgelbauers Callida, wunderschöne Reliefs, Statuen und Gemälde, von denen besonders das der Muttergottes und die Heiligen von Vivarini zu erwähnen ist, sowie Gemälde großer Maler, die aus der Schule Tizians und Tiepolos hervorgegangen sind.
Diese Kirche stellt ein wahres Museum dar, wohl das bedeutendste auf den Kvarner Inseln, das dank der Großherzigkeit der Kapitäne von Veli Losinj und ihrer Liebe zu ihrer Heimat entstanden ist. Der venezianische Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert, die schönen Vorderfronten von Steinpalästen und Häusern, umgeben von Parks mit exotischer Vegetation, zeugen von einer reichen Vergangenheit und einer Stadt wohlhabender Schiffseigner und Kapitäne.
Die Legende von St. Gaudentius
Da Gaudentius in seiner Funktion als Bischof die Sündigkeit und Verderbtheit der Osorer immer wieder tadelte, wurde er aus der Stadt vertrieben. Er suchte Zuflucht in der Höhle „Vela Špilja" auf dem Berg „Osoršćica", nahe der Stadt Osor. Da die Höhle voller Giftschlangen war, bittet er Gott, die Insel für immer von allen Giftschlangen zu befreien. Gaudentius lebte in dieser Höhle das Leben eines Einsiedlers.
Er starb in der Fremde. Seine Überreste wurden jedoch auf seltsame Weise in einem hölzernen Sarg in Osor angeschwemmt. Seine Reliquien sind in der sakralen Sammlung im Bischofspalast aufbewahrt. Die Höhle des Hl. Gaudentius kann man besichtigen. Die Legende sagt, wenn man einen Stein aus dieser Höhle mitnimmt und ihn bei sich trägt, wird er einen ein Leben lang, egal wo man lebt, vor dem Biss einer Giftschlange beschützen.
Die alten Inselbewohner haben so ein Steinchen immer bei sich getragen, wenn sie die Insel verließen. In der Gaudentiuskirche gibt es ein Gemälde des Hl. Gaudentius, auf dem sich zu seinen Füßen eine Schlange windet.
Die Tracht von Susak
Die Susaker Frauentracht ist wegen ihrer Farbenpracht eine wahre Augenweide. Charakteristisch für diese Tracht ist die kurze Rocklänge, die deutlich über dem Knie liegt. Die festlichen Schuhe heißen „carape" sie sind aus Filz und werden mit einem dünnen, roten Wollband (valnica) gebunden. Die Arbeitschuhe sind handgefertigt und werden „pute" genannt. Sie sind aus Leinen, die Schuhsohle aus Lammleder oder ebenfalls aus Leinen. Die Strümpfe „kalcete" sind mit feuerroter oder grellrosafarbiger Wolle gestrickt. „Mudonde" sind lange Unterhosen mit weißen Spitzen „merlići" an den Kanten. Die Bluse „kosula" ist aus reiner Baumwolle und mit verschiedenen Bordüren verziert häufig mit Blumenmotiven.
Der Unterrock ,,suknica'' ist auß weißer Baumwolle und mit verschiedenen Bordieren verziert. häufig mit Blumenmotiven.
Die Weste ,,bust" ist recht eng geschnitten und nut grellfarbigen Blumenmotiven und kleinen Muscheln geschmückt. Die Weste wird mit drei Knöpfen zugeknöpft.
Die Röcke „kamizoti" bestehen aus 5-6 weißien Röcken. Der unterste ist der kürzeste, die darüberligenden Röcke sind jeweils etwas länger, so bekommt man eine kegelförmige Rockform. Gesäumt sind sie mit selbstgemachten Spitzen „kamufi".
Der oberste Rock „kamizot na faldice" ist gewöhnlich weiß mit dünnen roten oder blauen Streifen.
Der Stoff des oberen Rockes ist gewöhnlich selbst plissiert und aus Seide oder ähnlichem Material. Das Plissieren erfolgt nach einer alten Methode, bei der der feuchte Stoff mit einem Faden fest auf einen Stock gewickelt und dann getrocknet wird. Dieser Vorgang wird eventuell mehrmals wiederholt.
Die Schürze „traversa" ist mit vielen kleinen, grellfarbigen Maschen, Bändern, Perlen und Pailletten verziert. Das Tuch „ bravaruol" wird um den Hals gebunden, es ist ebenfalls ziemlich bunt and wird vorne an der Taille befestig. Das Haar ist geflochten und hochgesteckt und ebenfalls mit vielen kleinen, bunten Maschen und Schleifchen und anderen bunten Dingen geschmückt. Die ganze Tracht ist sehr bunt und auffallend, so dass anderer Schmuck überflüssig wird.
Die Männertracht ist mediterranen Stadtanzügen aus dem 19. Jahrhundart. An den Füßen sind die bereits „pute". Die Hosen sind schwarz oder dunkelblau. Das Hemd ist weiß und ohne Kragen. Die Männer tragen einen breiten Gürtel mit orientalischen Motiven. Die Weste ist gewöhnlich schwarz oder andere dunkler Farbe. Auf dem Kopf sitzt entweder eine Kapitänskappe oder eine französische Mütze.
Apoxyomenos
Apoxyomenos, die antike Bronzestatue eines Athleten, der nach einem Wettkampf Öl und Staub von seinem Körper wischt, wurde 1999 in der Nähe Insel Lošinj im Meer gefunden. Untersuchungen ergaben, dass es sich um ein aus dem 4. Jh. v. Chr. stammende original griechische Statue handeln könnte, oder aber um eine römische Kopie dieser Statue.
Da nur einige wenige original griechische Bronzestatuen erhalten sind, stellt Apoxyomenos ein außergewöhnliches Beispiel des Weltkulturerbes dar. Aus diesem Grund ist seine Restaurierung und die Bestimmung seines Ursprungs ausgesprochen wichtig.
Trotz Beschädigungen in der Struktur, die durch Erosion und verbackene Sedimente durch die Jahrhunderte lange Lagerung unter Wasser entstanden sind, ist es Spezialisten des Croatian Conservation Instituts in Zagreb bereits gelungen, den Glanz der Statue wieder ans Licht zu bringen.
Der Vrana See
Der Vrana See auf der Insel Cres ist eine von der Natur geschaffenes Phänomen.
Die Legende...
Es waren einmal zwei Schwestern, die man „Gavanke" nannte. Die eine war gut und arm und lebte in einem bescheidenen vom kargem Boden umgebenen Häuschen am Hang des Hügels.
Die andere lebte im Tal in einem großen von fruchtbarem Boden umgebenen Schloß. Sie war reich aber böse. Als die Zeit verging, verkehrten die Schwestern nicht viel miteinander, da die arme Gesellschaft der reichen nicht würdig war. Eines Jahres wurde diese Gegend von einer starken Dürre befallen. Die arme Schwester hatte nicht genug Nahrung und Wasser um die schweren Zeiten zu überleben. Sie ging zu ihrer reichen Schwester und bat sie um Hilfe.
Ihre Bitte wurde aber grob abgeschlagen. Als sie talaufwärts zu ihren kleinen Häuschen ging, bat sie Gott um Hilfe. Plötzlich zeigte sich ein Licht und sie hörte die Worte: „Braves Mädchen, geh nur nach Hause. Da findest du genug Nahrung und Wasser um die Dürrezeit zu überleben. Du darfst dich aber nach deiner Schwester, die im Tal lebt, nicht umdrehen." Die arme Schwester ging ihren Weg nach Hause.
Als sie lautes Rauschen des Wassers hörte, da sie ein gutes Herz hatte, musste sie sich umdrehen, um zu zehen, was mit ihrer Schwester geschehen war. In diesem Augenblick wurde sie in einen Felsen verwandelt, aus dem eine gewaltige Wasserquelle zu fließen begann. Das Tal das Schloß ihrer reichen Schwester wurden vom Wasser überflutet.
Seit jener Zeit besteht am Vrana See eine Dauerquelle. Während der langen Dürren kann man See die Umrisse des versunkenen Schlosses sehen.





